Redebeitrag zur Vorabenddemo in Wiesbaden

Hier der Redebeitrag des AK Antifa Mainz zur Vorabenddemonstration „Gegen Nazis, Deutschland & Arbeitswahn“ in Wiesbaden am 30. April 2009:

Morgen wollen Neonazis aus dem Spektrum der lokalen NPD sowie ihr nahe stehenden Kameradschaften in Mainz aufmarschieren. Das dies aus hinlänglich bekannten Gründen nicht hinzunehmen ist, sollte klar sein. Neonazis sind dabei allerdings nicht, wie es immer wieder gerne kolportiert wird, eine Gefahr die von außen in die Gesellschaft hinein wirkt sondern selbst ein Symptom der spätkapitalistischen Gesellschaft. Sie verkörpern jenen Weg der kapitalistischen Krisenlösung, welchen Deutschland 1933 ging und welcher in der Ermordung von Millionen Jüdinnen und Juden nicht sein Ende sondern bloß seinen bisherigen Höhepunkt fand. Es ist daher fatal, den Zusammenhang von neonazistischem Gedankengut und kapitalistischer Warenproduktion zu negieren und zu glauben, man könne sich der Neonazis entledigen, ohne den Kapitalismus anzugehen. Denn Neonazis sind nun mal Bestandteil und Ausdruck des alltäglichen kapitalistischen Wahns und kleben an diesem wie die Fliegen an der Scheiße.
Nichts läge also näher als endlich den von Marx so treffend als „Vorgeschichte der Menschheit“ beschriebenen Zustand zu verlassen und mit dem Kapitalismus Schluss zu machen. Stattdessen übt sich die postnazistische Gesellschaft in Verdrängungsprozessen, Externalisierungen und gewohnter Staatshörigkeit. Anstatt etwa aus den vergangenen Krisen des Kapitals gelernt zu haben und die aktuelle Krise als Anlass zu nehmen, endlich einmal damit zu beginnen, das Bestehende einer näheren Analyse zu unterziehen, vermag man hierzulande nicht sich von der eigenen Staatsfixierung zu lösen. Man geht mit der festen Gewissheit, dass der Staat schon wieder alles gerade biegen wird nach wie vor seiner täglichen Arbeit nach. Gehen dann doch mal AnhängerInnen von Linkspartei oder anderen linken Massenorganisationen auf die Straße, verkommt ihre Kritik am Kapitalismus meist zu der Forderung, der Staat solle regulierend auf den Finanzfluss einwirken und den Staatssubjekten in Zeiten der Krise zur Seite stehen.
Dabei stellt der Staat, der im Etatismus beschworen wird, doch den ideellen Gesamtkapitalisten dar, dessen einziges Ziel die Sicherstellung der Vermehrung von Wert ist. Wenn also antikapitalistische Kritik den Staat als Adressaten erwählt, ist sie bereits zum Scheitern verurteilt. Die Hoffnung auf einen menschenfreundlichen Kapitalismus ist ein Trugbild. Wie sollte auch ein System, dessen einziges Ziel die permanente Akkumulation von Kapital ist, an dem Wohlergehen und der Freiheit des Individuums gelegen sein?
Es kann daher nur einen Ausweg aus der Misere geben und dieser ist die Beendigung der Vorgeschichte einer Menschheit, die sich ihrer selbst noch nicht bewusst geworden ist. Jeder weitere Tag in der Vorgeschichte birgt nur weiteres Leiden in sich, da es unter dem Bann der Kapitalakkumulation weder ein gutes Leben für das Individuum noch eine Assoziation freier Menschen geben kann. Daher gilt es alles daran zu setzten, heraus zu treten in die Geschichte, die die Menschen selber schreiben, herauszutreten in eine Geschichte nach dem Kapitalismus.